Alle haben KI-Tools, niemand hat eine KI-Strategie

Die Geschäftsleitung will 'AI first'. Zwei Etagen tiefer machen zwölf Abteilungen tatsächlich etwas mit KI; zwölf verschiedene Dinge.

Marketing schreibt Texte mit dem einen Tool, der Vertrieb hat einen Chatbot auf die Website gesetzt, der Kundenservice arbeitet mit einem Mailassistenten, und in der Finanzabteilung sitzt jemand, der gut mit Copilot umgehen kann. Zwölf Abonnements, zwölf Logins, zwölf Kopien derselben Unternehmensinformationen.

Diese Kopien laufen auseinander. Logisch.

Und dann sieht es so aus: Der Chatbot verspricht Lieferung in zwei Tagen, der Mailassistent schreibt fünf Werktage, und auf der Website steht ein Preis vom letzten Quartal. Drei Tools, drei Antworten, und ein Kunde, der abspringt.

Das ist keine KI-Strategie, das sind zwölf Pilotprojekte, die zufällig gleichzeitig laufen.

Es fehlt nicht das dreizehnte Tool. Es fehlt Gedächtnis.

Ein Gedächtnis

Alle diese Tools brauchen genau dasselbe: fundiertes Wissen über das Unternehmen. Da beginnt also eine Strategie.

Ein Gedächtnis, nennen Sie es eine Wissensbasis, als Fundament für alle KI. Alles hinein, was das Unternehmen weiß: Produkte, Preisvereinbarungen, Verfahren, häufige Fragen, Schreibstil und auch, was letztes Jahr schiefging. Daran gekoppelt die Systeme, in denen die aktuellen Daten ohnehin stehen: das PIM, der Kalender, das Buchungssystem, der Bestand.

Vorne hängt dann alles Mögliche daran:

  • derselbe Chatbot, aber jetzt einer, der weiß, ob etwas vorrätig ist
  • Marketingtexte, die mit den echten Spezifikationen übereinstimmen
  • Mails mit der richtigen Lieferzeit darin
  • die Hintergrundinformationen zu den Fragen, auf die es wirklich ankommt: ein Preisvorschlag, eine Quartalsanalyse, der Business Case für nächstes Jahr

Vier Anwendungen, eine Quelle.

Und nein, so ein Gedächtnis steht nicht an einem Nachmittag. Nehmen Sie einen Großhändler mit ein paar tausend Artikeln: Die Spezifikationen stehen im ERP, Fotos und Texte in einem Ordner auf dem Server, die aktuellen Lieferzeiten im Kopf des Einkäufers, und die Vereinbarungen mit Großabnehmern in einer Excel-Datei, die ein einziger Vertriebsleiter pflegt. Vier Orte, vier Wahrheiten. Das aufzuklären ist die eigentliche Arbeit. Die KI daranzuhängen ist danach der leichteste Teil.

Die Frage im Vorstandszimmer lautet also nicht, welches Tool dazukommen soll. Die Frage ist, wo das Gedächtnis sitzt, aus dem all diese Tools ihre Informationen ziehen.

Zwölf Abteilungen mit zwölf Tools sind keine Strategie. Zwölf Abteilungen mit einem Gedächtnis schon.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf LinkedIn.

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